Wolkenschieberin Lieselotte Pulverfass

Startseite » Politik » Die kollektive Schuld? Ein Herrschaftsinstrument, das erkannt und durchbrochen werden muss!

Die kollektive Schuld? Ein Herrschaftsinstrument, das erkannt und durchbrochen werden muss!


22. Januar 2015

von Lieselotte Pulverfass

Liest oder sieht man heute Beiträge in den „Qualitätsmedien“ fühlt man sich ins finstere Mittelalter versetzt. Seit inzwischen über einem Jahrzehnt macht uns die „veröffentlichte“ Meinung der linientreuen Schreiberlinge, Journalisten und Nachrichtenableser Angst vor vermeintlichen islamistischem Terror. Was mit Bin Laden begann setzte sich fort mit unterschiedlichsten Feinden der „westlichen Demokratie“: Al-Kaida, Taliban, gelegentlichen islamistischen Selbstmordattentätern; heute schürt man vermehrt die Furcht vor dem Islamischen Staat (IS) oder Boko Haram. Täglich begrüßt uns der mediale Wahnsinn der Bedrohung durch „islamistischen Terrorismus“ aus allen Richtungen.

Mal abgesehen von der ebenfalls aggressiven Dämonisierung der russischen Regierung – wobei hier als Feind vor allem eine Einzelperson, nämlich Putin herhalten muss – scheint des Journalisten Lieblingsthema die Bedrohung durch den Islam zu sein.

Feindbild Islam-Titel 3

Bildquelle

Mit Protestbewegungen wie HoGeSa oder PEGIDA erhält die Bevölkerung nun auch in Deutschland ein Ventil für die so künstlich angeheizten Emotionen und trägt ihren Unmut über die vermeintlich fehlgeschlagene Asyl- und Einwanderungspolitik auf die Straße. Diese Form von Protest kommt der Regierung sehr entgegen, kann man doch mit ihrer Hilfe weiterhin das Feindbild aufrecht erhalten und sichert sich auf diese Weise den Zuspruch der Menschen für die gewünschte Kriegspolitik gegen Länder wie Syrien, Irak u. a. oder auch in afrikanischen Ländern. Zugleich hilft ein vermeintliches „islamistisches Attentat“ für weiteren Zündstoff und sorgt für Zulauf zu diesen Bewegungen, aber auch für die Entstehung von Gegendemonstrationen. Diese geschickte Strategie ermöglicht die Durchsetzung von neuen „Anti-Terror-Gesetzen“ oder Maßnahmen zur Überwachung des Volkes, natürlich alles nur zu dessen eigenen Schutz.

Nun sollen die Hintergründe der pauschalen Verurteilung des Islam durch die Medien nicht das Thema dieses Artikels sein, sondern die verwendeten Mechanismen, die seit Jahrtausenden erfolgreich eingesetzt werden, um Menschen zu lenken und zu beherrschen.

Das Konzept der Schuld ist vermutlich so alt wie die Menschheitsgeschichte, lässt sich mit dessen Verwendung doch bestens das Volk klein und untertänig halten. Das Erste, was einem bei dem Begriff der Schuld sofort einfällt, ist die christliche Religion, insbesondere natürlich der Katholizismus.

Bereits am Beginn der Schöpfung des Menschen (lt. dem Alten Testament) begeht Eva den Fehler, dem Verbot Gottes – die Äpfel vom Baum der Erkenntnisse nicht anzurühren – zuwider zu handeln und damit  (laut Kirche) den ersten Sündenfall. Die auf diese Tat folgende Bestrafung durch den Schöpfer, die Vertreibung aus dem Paradies und Trennung des Menschen von Gott, und zwar nicht nur für Adam und Eva, sondern für alle ihre Nachkommen ist der erste Fall von kollektiver Schuld. Mit dem Begriff der Erbsünde wird auch heute noch in der christlichen Tradition auf die bereits bei der Geburt bestehende Schuld verwiesen.

Wikipedia definiert die Erbsünde:

„Erbsünde“ wird wie folgt definiert: „Adam und Eva haben ihren Nachkommen die durch ihre erste Sünde verwundete, also der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit ermangelnde menschliche Natur weitergegeben. Dieser Mangel wird ‚Erbsünde‘ genannt.

Nur durch die Taufe – und damit der Hingabe zum Erlöser Jesus Christus (der die gesamte Schuld der Menschen auf sich genommen hat) – sei die Verbindung zu Gott wieder herstellbar. Wer nicht getauft ist, kommt nach dem Ableben in die Hölle, das behauptet zumindest die katholische Kirche.

640px-Michelangelo_Buonarroti_022Bildquelle

So ist also die gesamte Menschheit auch heute noch, Jahrtausende nach diesem Ereignis, kollektiv schuldig für Evas Vergehen. Vielleicht stammt aus dieser Begebenheit die Verachtung der katholischen Kirche für die Frauen. Und weil der Mensch nun einmal ein fehlbares Wesen ist, muss er – als Katholik – regelmäßig zur Beichte, um dem Priester zu berichten, welche Sünden er begangen bzw. gegen welche Gebote er verstoßen hat, und womit er sich gegenüber dem Herrn schuldig gemacht hat. Eine wirklich bemerkenswerte Taktik, die dafür sorgt, dass der Gläubige in ständiger Furcht vor Sünde, Verdammung und Hölle lebt und sich in der Kirche durch den Priester Vergebung erhofft. Sein Leben dürfte ein anhaltender Zustand von Schuldgefühlen sein, was dazu führt, dass er immer wieder in den Schoß der Kirche zurück kehrt, um sich zu vergewissern, dass er der Gnade Gottes würdig ist.

Es erstaunt nicht wirklich, dass das Konzept der Schuld in Verbindung mit Religionen besonders verbreitet ist. Beispielhaft hierfür seien z. B.. die Hexenverfolgung, die Zerstörung von heidnischen Religionen durch die Kirche, die seit langem von vielen Völkern durchgeführte Verfolgung oder Vertreibung von Juden, die heutigen Konflikte zwischen Christen, Juden und Moslems genannt. Wer dem Glauben anhängt, sein Gott sei der einzig Wahre, lässt sich leicht zu Hass und Fundamentalismus anstacheln, wenn man ihm die „Verderbtheit“ der Andersgläubigen nur genügend bunt ausgeschmückt präsentiert.

Aber auch in anderen Zusammenhängen kennen wir die Kollektivschuld, wir als Deutsche sind 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges laut verkündeter Meinung immer noch – in der inzwischen 3. Generation – Schuld an den Verbrechen der Nazis. Ein nahezu unüberwindbarer Mantel des Schweigens liegt über diesen Ereignissen (und deren Hintergründen) und der Deutsche hat auch heute noch Angst, über dieses Thema nachzudenken oder zu reden.

Auch im Bereich des Geldwesens gibt es interessanterweise die gleichen Vokabeln, die die Kirche verwendet: man redet von Schuld und Schuldiger, oder vom Gläubiger.

Worauf ich eigentlich hinaus will, ist im Grunde ganz simpel. Das Konzept der Schuld ist ein über lange Zeit gut erprobtes und gezielt eingesetztes Herrschaftsinstrument der Mächtigen – in Kirche, Politik und Gesellschaft – um Menschen zu kontrollieren, zu steuern und gewollte Konflikte zu schüren. Solange man mit den Ängsten der Menschen z. B. vor der Hölle, vor Existenzvernichtung oder vor dem Anders-Sein des Fremden die gewünschte Politik voran treiben kann, solange wird diese Strategie genutzt. Es wird Zeit, dies zu erkennen und dem falschen Konzept die Macht zu entziehen, indem wir uns nicht mehr auf dieses falsche Spiel einlassen und anfangen, selbst zu denken.

Mir fallen zu dieser Problematik folgende (nicht mal ansatzweise vollständige) Beispiele ein:

  • ein Moslem kann möglicherweise ein Terrorist sein, aber die Masse der Moslems sind friedliebende Menschen
  • weil Präsident Obama Kriege in der ganzen Welt führt, heißt das nicht, dass jeder farbige Mann kriegslüstern ist
  • weil Judas Jesus verraten hat, ist dafür nicht das gesamte jüdische Volk verantwortlich zu machen
  • weil Angela Merkel aus der ehemaligen DDR kommt, heißt das nicht zwangsläufig, dass alle „Ossis“ ihre Politik gutheißen
  • wenn es ausländische Mitbürger gibt, die die Deutschen verachten und z. B. als „Kartoffeln“ bezeichnen, so bedeutet das nicht, dass alle Ausländer genauso denken
  • wenn auf einer Demo Mitglieder rechtsradikaler Parteien sind, heißt das nicht, dass alle Teilnehmer Nazis sind
  • wenn der Großteil der Journalisten täglich Lügen verbreitet, heißt das nicht, dass es nicht auch ehrliche Journalisten gibt
  • nicht jeder Demogänger der Pegida ist latent ausländerfeindlich und nicht jedes Mitglied der Antifa latent Deutschenhasser

Die Gefahr der Pauschalisierung, indem man z. B. die Angehörigen von Gruppen – einer Religion, Volksgruppe, „Rasse“ (ich mag dieses Wort nicht) oder Partei – für etwas kollektiv die Schuld gibt, ist immer der Beginn von Extremen. So entstehen Kriege!

Man möge sich doch mal fragen, was für ein Interesse die Medien (und die hinter ihnen stehenden Kreise) an dem Schüren von Konflikten – seien es nun religiöse oder ethnische – haben, welchen Zweck sie damit verfolgen.


Alle Beiträge des Blogs jetzt auch auf der Facebookseite Wolkenschieberin!

titel facebook

Advertisements

3 Kommentare

  1. Pit sagt:

    Divide et impera, teile und herrsche, klappt so lange bis die Not im Volk dieses wach werden lässt.

    Gefällt mir

  2. Zu diesem Thema hat Diana Johnstone in der Zeit des Überfalls der NATO auf Jugoslawien eine ausführliche Abhandlung geschrieben, auf die ich hier gerne hinweisen möchte: „Kollektive Schuld und kollektive Unschuld“ (>http://antikrieg.com/aktuell/2009_12_23_kollektiveschuld.htm)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: